
Wenn die Bahn aufgrund von Bauarbeiten nicht fährt, wird ein Schienenersatzverkehr (SEV) eingerichtet. Dabei handelt es sich üblicherweise um Busse, welche die Haltepunkte der ausfallenden Bahnen anfahren.
Auf der S-Bahn-Strecke zwischen Köln und Bergisch-Gladbach wird aktuell (Frühjahr/Sommer 2026) zusätzlich zum „klassischen“ SEV mit Bussen ein neues System getestet: ein SEV mit Fahrrädern als temporäres Bike-Sharing-System. Dabei werden Leihfahrräder an den Haltepunkten, die nicht mehr von der S-Bahn angefahren werden können, bereitgestellt. Fahrgäste können sich diese Fahrräder am Bahnhof ausleihen und an einem anderen Bahnhof entlang der gesperrten Strecke zurückgeben. Tatsächlich ist das Entleihen und die Rückgabe nur an den Bahnhöfen möglich, sodass verhindert wird, dass die Fahrräder an anderen Orten im Stadtgebiet abgestellt werden und damit nicht mehr den Fahrgästen des SEV zur Verfügung stehen. Das sogenannte „S11-Bike“ ist speziell für den SEV gebrandet und kann über den dortigen regional etablierten Dienstleister ausgeliehen werden.
Für Fahrgäste mit ÖPNV-Zeitabos oder Deutschlandticket ist die Nutzungs des Leihfahrrades für die ersten 30 Minuten kostenlos möglich. Gelegenheitsfahrende mit EInzelticket / eezy-Ticket haben das Nachsehen. Für sie gilt ein Regeltarif von 1 € für 15 Minuten. Eine Reservierung für ein Fahrrad kann bis zu 15 Minuten vor Fahrtbeginn erfolgen.
Damit die Nutzenden des SEV-Fahrrades von Bergisch-Gladbach nach Köln möglichst sicher und komfortabel fahren können, wurde durch die Städte die weitestgehend parallel zur Bahnstrecke verlaufende Radpendlerroute extra ausgewiesen. Neben Schildern vor Ort kann die Route bspw. als .gpx heruntergeladen und in die eigene Navigations-App im Smartphone eingeladen werden. So trägt der SEV-Betrieb zusätzlich zur einer Steigerung der Bekanntheit der Radpendlerrouten bei. Zum Abgeben der Räder muss jedoch wieder der jeweilige Haltepunkt der Bahn angefahren werden.

Ein Zukunftskonzept?
Aufgrund des pilothaften Betriebes sind zunächst „nur“ 50 Fahrräder im Einsatz, welche morgens gleichmäßig an den fünf Bahnhöfen, die nicht mehr von der S-Bahn angefahren werden, verteilt werden. Verläuft der Test jedoch erfolgreich, könnte dies als Blaupause für andere Sperrungen dienen.
Die DB-Tochter „Call a bike“ hat ebenfalls an den S-Bahn-Haltestellen in Bergisch-Gladbach temporäre Stationen eingerichtet, die jedoch nicht als SEV ausgewiesen sind.
Natürlich kann und soll ein SEV mit Fahrrädern keinen SEV mit Bussen ersetzen und macht auch nur bei vergleichsweise nahräumigen Streckensperrungen Sinn. Dennoch kann die Alternative dazu dienen, die im Einsatz befindlichen Busse zu entlasten und für eine aktive Mobilität zu werben.
Weitere Best Practices zeigen wir auf unserer Karte.
Quellen:
[1] https://www.rvk.de/pressemitteilungen/detail/schienenersatzverkehr-der-s11-s11-bike-sorgt-fuer-entlastung (online abgerufen am 19.04.2026)
