Die Förderung des Fußverkehrs wird in der kommunalen Verkehrsplanung immer noch viel zu häufig zu wenig beachtet. Dabei gibt es effektive und einfache Maßnahmen, um den Fußverkehr sicherer und komfortabler zu gestalten, wie z.B. die konsequente Umsetzung von Gehwegüberfahrten, wie sie in den Niederlanden schon lange etabliert sind.
Was sind Gehwegüberfahrten?
Bei Gehwegüberfahrten wird der straßenbegleitende Gehweg an Einmündungen nicht unterbrochen, sondern auf gleichem Höhenniveau über die Kreuzung geführt. Sinnvollerweise wird auch der Gehwegbelag, z.B. das Pflaster, weitergeführt, damit die Gestaltung eindeutig und durchgängig ist. Der Kfz-Verkehr muss beim Abbiegen über den Gehweg fahren und dem Fußverkehr entsprechend Vorrang gewähren. Um die Höhendifferenz zu überwinden, werden spezielle Rampensteine verwendet. Das führt dazu, dass sowohl das Aussehen als auch das haptische Erlebnis beim Überfahren des Gehweges klar kommuniziert, dass es sich um einen Bereich für den Fußverkehr handelt. Bei einer guten Gestaltung ist die Situation für alle Verkehrsteilnehmende sehr viel übersichtlicher und klar verständlich. Eine dahingehend gelungene Gestaltungen von einer Gehwegüberfahrt ist in Abbildung 1 dargestellt.

Welchen Vorteil bieten Gehwegüberfahrten?
Bei Gehwegüberfahrten ist der Fußverkehr (und ggf. auch der Radverkehr, wenn dieser im Seitenraum geführt wird) gegenüber ab- und einbiegenden Kfz bevorrechtigt. Die Autos müssen die Fußgänger und Fußgängerinnen also passieren lassen, bevor sie den Gehweg überfahren.
Der Fußverkehr hat damit oberste Priorität. Der Komfort für zu Fuß Gehende steigt deutlich, da nicht das Gefühl entsteht, eine Fahrbahn zu betreten. Außerdem ist auch das Schieben von Kinderwagen, Rollatoren oder Taschen deutlich komfortabler, da keine abgesenkten Bordsteine und Höhendifferenzen überwunden werden müssen.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Kfz beim Überfahren der Gehwegüberfahrt deutlich abbremsen müssen, da der Abbiegeradius sehr klein ist und die Rampensteine nur langsam komfortabel überfahren werden können. Unfallfolgen zwischen Kfz und zu Fuß Gehenden fallen dadurch weniger schwerwiegend aus.

Wo sind Gehwegüberfahrten sinnvoll?
Gehwegüberfahrten sind insbesondere auf wichtigen Routen mit hohem Fußverkehrsaufkommen und entlang von Hauptverkehrsstraßen, von denen Nebenstraßen abzweigen, sinnvoll. In den Niederlanden werden Gehwegüberfahrten häufig entlang einer Straße mit Tempo 50 umgesetzt, von denen dann in Tempo 30-Zonen abgebogen werden kann. Durch die vorliegende Gehwegüberfahrt wird automatisch die Fahrgeschwindigkeit vom Kfz-Verkehr beim Abbiegevorgang reduziert. So wird unabhängig von der Beschilderung deutlich, dass in eine andere Straßenkategorie eingefahren wird.
Anwendung in Deutschland:
Gehwegüberfahrten werden in Deutschland mittlerweile zwar öfter, aber nicht konsequent umgesetzt. Zudem ist die Gestaltung häufig nicht einheitlich. Entweder wird die Gehwegüberfahrt in einem anderen Material als der Gehweg ausgeführt oder die Abbiegeradien sind in der Pflasterung zu erkennen, wie das folgende Bild zeigt. Beides führt dazu, dass die Situation für Fuß- und Kfz-Verkehr weniger eindeutig ist.

Ein Argument, welches häufig gegen die Umsetzung von Gehwegüberfahrten aufgeführt wird, ist der Aspekt, dass Rettungswagen diese nicht schnell überfahren können und Patienten im Krankenwagen unter der Erschütterung beim Überfahren leiden würden. Dies ist sicherlich zu berücksichtigen, jedoch kann hierzu auf die Erfahrungen aus den Niederlanden zurückgegriffen werden – die zeigen, dass es scheinbar dennoch funktioniert.
Ziel wäre es, dass Gehwegüberfahrten auch in Deutschland nicht nur im Spezialfall, sondern standardmäßig umgesetzt werden, um die immer noch häufig auftretenden Unfälle zwischen Kfz- und Fußverkehr an Knotenpunkten zu reduzieren.
Ein empfehlenswertes Video, welches die Vorteile anhand von vielen Beispielen zeigt, findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=9OfBpQgLXUc.
Weitere Best Practices zeigen wir auch auf unserer Karte.
